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DNR Redaktionsbüro Info-Service <info-berlin ät dnr.de>10. Jan 2005 17:28

Fw: Rezension: Zur Lage der Welt 2004. Die Welt des Konsums


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Rezensionen

Worldwatch Institute (Hrsg.): Zur Lage der Welt 2004. Die Welt des Konsums

Worldwatch Institute (Hrsg.): Zur Lage der Welt 2004. Die Welt des Konsums. Verlag Westfälisches Dampfboot (Münster) 2004. 292 Seiten. ISBN 3-89691-570-3. 19,90 EUR, CH: 34,90 SFr.

In Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung und GERMANWATCH.

Was ist ein "gutes Leben" ? Vom Zustand der Welt.
Der amerikanische Psychologe und Philosoph Abraham Maslow zeigt in seiner "Bedürfnispyramide", dass der Mensch zur Befriedigung seiner Bedürfnisse bestimmte Prioritäten setze. Zuerst gehe es darum, die materiellen Voraussetzungen für ein behagliches und sicheres Leben zu ermöglichen; danach brauche der Mensch soziale Kontakte und Anerkennung; schließlich strebe er nach persönlicher Entfaltung und Werten wie Liebe, Wahrheit, Gerechtigkeit und Schönheit. Wenn sein Lebensunterhalt erst einmal gesichert sei, bringe zusätzlicher Konsum dem Menschen nichts mehr. Verbrauche er dennoch mehr als benötige, zeige er damit seine psychologische Unreife und die Unfähigkeit, nach höheren Lebenszielen zu streben. Das Streben nach "Genügsamkeit" beschäftigt seit Jahrtausenden die Menschen. "Das Leben in Maßen genießen", als eine menschliche Tugend, propagierte bereits der griechische Philosoph Epikur (341 - 270 v. Chr.); und die römischen Stoiker, etwa mit Epiktet (50 - 120 n. Chr.), weisen bereits darauf hin, dass die Genügsamkeit auch eine politische Dimension habe. Mahatma Gandhi (1869 - 1948) schließlich führte mit dem bis ins Extreme ausgeweiteten Genügsamkeitsbegriff seinen politischen Kampf gegen Imperialismus und Unterdrückung. Diese und viele weitere Beispiele eines anderen Denkens und Handelns machen deutlich, dass es zu den gängigen Wachstumsideologien, mit dem vermeintlich glücks- und zufriedenheitsbringendem Slogan "Immer-weiter-immer-höher-immer-schneller-immer-mehr", Alternativen gibt; und auch zum "Moloch Konsum", den der amerikanische Historiker Gary Cross in seinem Buch An All Consuming Century "Konsumismus" nennt.

Entstehungshintergrund
Das Washingtoner Worldwatch Institute, als unabhängige, weltweit agierende, interdisziplinäre Forschungseinrichtung für globale Umweltfragen und Probleme der Sozialpolitik, veröffentlicht jährlich, seit 1984, einen Bericht zur Lage der Welt (State of the World); vgl. dazu: www.worldwatch.org. Die amerikanische Originalausgabe (2004) wird in der deutschen Ausgabe und Übersetzung ergänzt durch ein Grußwort der Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, Renate Künast und Beiträgen von Ralf Fücks vom Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, sowie Klaus Milke und Dietrich Brockhagen von Germanwatch.

Inhalt
Im Hauptteil des Berichts des Worldwatch Institute geht es um den ungezügelten Konsum, mit der These: "Die eindimensionale Ausrichtung auf den Konsum unterminiert nicht nur die Lebensqualität derjenigen, die der Konsumentengemeinschaft angehören, sie wird auch die Möglichkeiten der außerhalb der Konsumentenklasse Lebenden verringern, ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen". Das Forscherteam zeigt nicht nur auf, wo die Schwierigkeiten liegen, die der Konsum mit sich bringt; es werden auch Wege erkundet, wie "der Konsum eingeschränkt und in Bahnen geleitet werden kann, die die Aussichten für menschliches Wohlergehen und für Nachhaltigkeit verbessern".

Im ersten Kapitel geben Gary Gardner, Erik Assadourian und Radhika Sarin wichtige Informationen und Daten zur gegenwärtigen Situation des Konsumverhaltens der Menschen in der Welt und zeigen globale Trends auf. Mit vier Schlüsselfragen wollen sie das Konsumentenbewusstsein der Menschen wach rütteln:

.. Gelangt die Konsumentenklasse durch den ständigen Konsumanstieg zu einer höheren Lebensqualität?
.. Können Gesellschaften in einer ausgeglichenen Art und Weise konsumieren und ihren Konsum insbesondere mit den Erfordernissen der Natur in Einklang bringen?
.. Können Gesellschaften die Optionen für den Verbraucher so umgestalten, dass er eine echte Wahl hat?
.. Können Gesellschaften die Erfüllung der Grundbedürfnisse von allen zu ihrer Priorität machen?

Janet L. Sawin setzt sich im zweiten Kapitel damit auseinander, wie Menschen bessere Energieentscheidungen treffen können. Mit ihren Statistiken und Trends macht sie deutlich, dass sich bei der gegenwärtigen Praxis der Energienutzung die Lebensqualität der meisten Menschen nicht verbessere, sondern verschlechtere: "Die Luft- und Wasserverschmutzung steigt, Gesundheitsprobleme nehmen zu, die mit der Energiegewinnung und -nutzung einhergehenden ökonomischen und sicherheitspolitischen Kosten steigen, und die natürlichen Systeme, ohne die ein Leben auf der Erde gar nicht möglich wäre - das globale Klima eingeschlossen - werden geschädigt".

Im dritten Kapitel fordern Sandra Postel und Amy Vickers neue Denkmuster beim Wassermanagement und -verbrauch. Die traditionelle Wasserpolitik begünstige Ineffizienz und Missbrauch, statt für Sparmaßnahmen und eine nachhaltige Nutzung zu sorgen: "Als erstes müssen die Länder dieser Welt anfangen, ihrer Verantwortung für den Schutz und die Bewahrung der öffentlichen Ressource (Wasser) gerecht zu werden".

Brian Halweil und Danielle Nierenberg geben die Parole aus: "Bewusst essen". Ihr Ratschlag, den sie mit zahlreichen Beispielen und Hintergrundinformationen "füttern", lässt sich zusammen fassen zum Stichwort: Lebensmitteldemokratie als Grundlage zum Überdenken und Verändern unserer Essgewohnheiten. Dazu braucht es auch politischer Vorgaben und Regelungen.

Im fünften Kapitel nennt Michael Renner die Bedingungen und Möglichkeiten für eine weniger konsumorientierte Wirtschaftsordnung. Dabei widerspricht er den Kassandrarufen, dass eine Kurskorrektur hin zu einer neuen Dynamik und zu neuem Konsumdenken und -verhalten, damit zu einem Rückgang von Verbrauch und Kaufkraft, die Weltwirtschaft in ein Chaos stürzen würde; vielmehr könnte eine ökonomische Neuorientierung zu einer veränderten Wahrnehmung von Lebensqualität führen.

Lisa Mastny konkretisiert Alternativen, indem sie vom ökologischen Nutzen der öffentlichen Hand und anderer Großeinkäufer bei der Umorganisation von der konsumorientierten in eine weniger konsumorientierte Gesellschaft spricht. Sie nennt zahlreiche Beispiele, wie umweltfreundliche Beschaffungsmaßnahmen tatsächlich zu einer Bewusstseinsveränderung im Konsumentenverhalten führen können.

Hilary French stellt im siebten Kapitel des Buches eine Verbindung zwischen Globalisierung, Konsum und Governance her. Dabei geht es um den Zusammenhang von Kultur und Konsum, den Folgen, wie sie durch dominante, westliche Wirtschaftsmacht des "McWorld" überall in der Welt erkennbar sind. Die Agenda 21 als Aktionsplan für nachhaltige Entwicklung, ist, wie die vielfältigen internationalen Konferenzen - von Johannesburg bis Cancún - zeigen, immer noch nicht realisiert.

Schließlich unternehmen Gary Gardner und Erik Assadourian im achten und letzten Kapitel den Versuch, das gute Leben neu zu denken. Sie zeigen anhand von Projekten in den Ländern des Südens wie des Nordens auf, dass andere Lebensentwürfe machbar sind. Dazu bedarf es aber neuer Infrastrukturen für das Wohlergehen der Menschen. Weil aber der Übergang zu einer Gesellschaft des Wohlergehens für die Mächtigen wie die Ohnmächtigen eine große Herausforderung darstellt, muss auch die "Utopie" denkbar sein; denn "durch die Stärkung der sozialen Beziehungen, durch die Förderung richtiger und gesunder Wahlmöglichkeiten durch die Erziehung zu einem Leben in Harmonie mit der Natur und durch die Befriedigung der Grundbedürfnisse aller können Gesellschaften sich von der Betonung des Konsums fortbewegen hin zur Betonung des Wohlergehens". Das Forscherteam gibt zu den Fakten der jeweiligen Kapitel noch Denkanstöße und Fingerzeige zu Themen "Hinter den Kulissen" und macht so auf Probleme aufmerksam, die uns alle direkt betreffen und die wir verändern und bewältigen können, wie z. B. Plastiktüten, Computer, Garnelen, Papier, u.a.

Zielgruppe
Wer braucht das Buch? Alle diejenigen in der Theorie und Praxis, in der Schule, Hochschule, Politik, Verwaltung, die darüber nachdenken, wie das bisherige, ungerechte Leben der Menschen auf der Erde gerechter, humaner und lebenswerter für alle Menschen gestaltet werden kann; damit wir gemeinsam die Eine Welt schaffen können.

Fazit
Damit sind wir wieder bei der alten und immer neuen Aufgabe, wie sie die Weltkommission "Kultur und Entwicklung" 1995 formuliert hat: "Die Menschheit steht vor der Herausforderung umzudenken, sich umzuorientieren und gesellschaftlich umzuorganisieren, kurz: neue Lebensformen zu finden". Der Report 2004 "Zur Lage der Welt" liefert uns aktuelle Argumente und Daten, dass dies heute notwendiger denn je ist - trotz der irritierenden und zum Teil skandalösen globalisierten Entwicklung in unserer Welt.


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Lehrbeauftrager an der Universität Hildesheim
E-Mail jos ät schnurer.de
Kommentare
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